Wie Ultraschall und Radiofrequenz das Fettgewebe erreichen sollen
Beide Verfahren wollen Fettzellen durch Energie von außen schädigen, ohne die Haut zu verletzen. Beim hochintensiven fokussierten Ultraschall, kurz HIFU, bündelt ein Schallkopf die Schallwellen in einer bestimmten Tiefe der Fettschicht. Dort bringen die Wellen das Gewebe nach Jewell und Kollegen (Aesthetic Surgery Journal 2012) zum Schwingen, erhitzen es und lassen die Fettzellen rasch absterben. Die Haut darüber bleibt unberührt, weil die Energie erst im Brennpunkt ihre Wirkung entfaltet.
Unfokussierter Ultraschall verteilt die Energie dagegen breit. Kosmetikgeräte dieser Art werden als Kavitation beworben; gemeint sind winzige Gasbläschen, die im Gewebe entstehen und zerfallen und dabei Fettzellen aufbrechen sollen. In einem Tierversuch an Schweinen (Garcia und Schafer, Aesthetic Surgery Journal 2013) erwärmte ein solches Gerät die Fettschicht gleichmäßig. Die Fettzellen starben nicht ab, aber freies Fett trat aus und fand sich in der Lymphe und den Lymphknoten wieder. Radiofrequenz, auch Hochfrequenz genannt, erwärmt das Fettgewebe mit elektromagnetischen Feldern, je nach Gerät mit Kontakt zur Haut oder berührungslos.
| Verfahren | Wirkprinzip | Behandlungsserie in Studien | Beste verfügbare Studie | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Fokussierter Ultraschall (HIFU) | Gebündelter Schall erhitzt einen Punkt in der Fettschicht | Eine Behandlung mit insgesamt drei Durchgängen | Randomisiert mit Scheinbehandlung, Jewell 2011, ein Mitautor vom Hersteller | 2,44 cm weniger Taillenumfang nach 12 Wochen bei der höheren Energiestufe |
| Unfokussierter Ultraschall (Kavitation) | Breit verteilter Schall erwärmt das Gewebe, freies Fett tritt aus | 10 Behandlungen, dreimal pro Woche | Randomisierter Vergleich dreier Verfahren ohne Scheinbehandlung, Kiedrowicz 2022 | Kein geringerer Taillenumfang durch Ultraschall allein |
| Radiofrequenz | Elektromagnetische Felder erwärmen das Fettgewebe | In der Einzelstudie vier Sitzungen im Wochenabstand, sonst sehr unterschiedlich | Metaanalyse aus 12 Studien, Vale 2018 | Positive Tendenz, Studienqualität überwiegend gering |
| Radiofrequenz mit Muskelstimulation | Wärme plus Magnetfeld, das die Bauchmuskeln anspannt | Drei Sitzungen im Wochenabstand | Randomisiert mit Scheinbehandlung, Samuels 2022 | 28,3 Prozent dünnere Fettschicht nach drei Monaten |
- Abnahme des Taillenumfangs 12 Wochen nach HIFU mit der höheren Energiestufe in der Studie mit Scheinbehandlung
- 2,44 cm
- Jewell et al., Plastic and Reconstructive Surgery 2011, DOI 10.1097/PRS.0b013e3182174278, Stand 1. Juli 2011
- Studien zur Radiofrequenz am Fettgewebe in der Metaanalyse von Vale et al., methodische Qualität überwiegend gering
- 12 Studien
- Vale et al., Journal of Cosmetic Dermatology 2018, DOI 10.1111/jocd.12776, Stand 1. Oktober 2018
- Schallintensität am Körper, ab der ein kosmetisches Ultraschallgerät als Anlage unter die NiSV fällt
- mehr als 100 mW/cm²
- § 2 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe a NiSV, Stand 12. Juni 2023
Was fokussierter Ultraschall am Bauch belegt leistet
Fokussierter Ultraschall hat die beste Einzelstudie der drei Techniken, aber eben nur eine. Jewell und Kollegen (Plastic and Reconstructive Surgery 2011) behandelten Erwachsene mit einer Bauchfettschicht von mindestens 2,5 Zentimetern an Bauch und Flanken, zufällig verteilt auf zwei Energiestufen und eine Scheinbehandlung ohne Energie. Nach 12 Wochen hatte die Gruppe mit 59 Joule je Quadratzentimeter 2,44 Zentimeter Taillenumfang verloren, und der Unterschied zur Scheinbehandlung war statistisch gesichert. Die Gruppe mit 47 Joule verlor 2,06 Zentimeter; das reichte in der Auswertung aller Teilnehmenden nicht für einen gesicherten Unterschied.
Zur Sicherheit berichtete dieselbe Arbeitsgruppe nach 24 Wochen (Aesthetic Surgery Journal 2012): leichte bis mäßige Beschwerden, Blutergüsse und Schwellungen, alle vorübergehend, keine Narben, keine Verbrennungen und keine bedeutsamen Veränderungen bei Blutfetten, Entzündungswerten, Leber- oder Nierenwerten. Die unerwünschten Wirkungen ähnelten denen der Scheinbehandlung.
- Die Teilnehmenden waren nicht adipös; übertragbar sind die Zahlen nur auf Menschen mit einem Body-Mass-Index unter 30 kg/m² und einer Fettschicht von mindestens 2,5 Zentimetern.
- Gemessen wurde der Taillenumfang, nicht die Fettdicke im Ultraschall; ein Maßband erfasst auch Wasser und Haltung mit.
- Die Nachbeobachtung endete nach 24 Wochen; Daten über Jahre gibt es nicht.
- Ein Mitautor arbeitete beim Hersteller des Geräts, die Studie ist also nicht unabhängig.
- Es gibt keine zweite unabhängige Studie mit Scheinbehandlung, die das Ergebnis bestätigt.
Warum die Belege für Kavitation schwach sind
Für unfokussierten Ultraschall, die Kavitation, fehlt eine Studie mit Scheinbehandlung; die vorhandenen Vergleiche widersprechen sich. In einer ägyptischen Studie (Mahmoud ELdesoky und Kollegen, Australasian Journal of Dermatology 2016) bekamen 60 Menschen mit einem Body-Mass-Index über 30 kg/m² zwei Monate lang entweder Kavitation mit Diät, Kryolipolyse mit Diät oder nur Diät. Alle drei Gruppen nahmen ab, beim Gewicht unterschieden sie sich nicht. Taillenumfang und Hautfalte über dem Beckenkamm sanken in beiden Gerätegruppen stärker als mit Diät allein, und zwischen Kavitation und Kryolipolyse fand sich kein Unterschied.
Eine polnische Studie (Kiedrowicz und Kollegen, Nutrients 2022) verteilte 60 Frauen auf zehn Behandlungen mit Ultraschall, mit Radiofrequenz oder mit beidem, dreimal pro Woche. Der Taillenumfang sank mit Radiofrequenz und mit der Kombination, mit Ultraschall allein nicht. Nach sechs Monaten war ein Effekt nur noch in der Radiofrequenz-Gruppe messbar. Blutfette, Entzündungswerte, Insulinresistenz und Blutdruck änderten sich in keiner Gruppe.
Keine der beiden Studien hatte eine Gruppe mit Scheinbehandlung, und in der ägyptischen machte eine Diät einen Teil der Wirkung aus. Beide arbeiteten mit je 60 Teilnehmenden, also mit kleinen Gruppen. Der Tierversuch von Garcia und Schafer erklärt den Mechanismus, sagt aber nichts darüber, ob ein Mensch nach einer Behandlungsserie sichtbar weniger Fett hat.
Was Radiofrequenz am Körper zeigt und wo die Grenzen liegen
Radiofrequenz verringert die Fettschicht in Studien, doch deren Qualität ist überwiegend gering. Die Metaanalyse von Vale und Kollegen (Journal of Cosmetic Dermatology 2018) fand zwölf Studien am Menschen mit sehr unterschiedlichen Behandlungsplänen. Die Ergebnisse deuteten auf eine Abnahme des Fettgewebes hin, die Messungen mit dem Maßband waren nach der statistischen Prüfung aber fragwürdig, und die Autoren verlangen mehr kontrollierte Studien. Eine typische Einzelstudie ist die von Fajkošová und Kollegen (Journal of Drugs in Dermatology 2014): 40 Teilnehmende, vier wöchentliche Sitzungen mit berührungsloser Radiofrequenz, im Mittel 4,93 Zentimeter weniger Bauchumfang, aber ohne Kontrollgruppe. Drei Teilnehmende mit sehr dünner Fettschicht sprachen gar nicht an.
Die einzige Studie mit Scheinbehandlung betrifft ein Kombinationsgerät. Samuels und Kollegen (Plastic and Reconstructive Surgery 2022) behandelten 72 Personen dreimal im Wochenabstand mit Radiofrequenz und gleichzeitig mit einem starken Magnetfeld, das die Bauchmuskeln anspannt. Nach drei Monaten war die Fettschicht im Ultraschall um 28,3 Prozent dünner, in der Scheingruppe änderte sich nichts Wesentliches. Welcher Anteil auf die Wärme entfällt, lässt sich aus dieser Studie nicht trennen. Muskelstimulation als eigenes Verfahren ist Thema auf fitnesscenter-verzeichnis.net.
Wer Sie behandeln darf und was Sie vor einer Sitzung klären
Ultraschall und Hochfrequenz zur Fettreduktion sind nach § 9 Absatz 2 und § 6 Absatz 2 der NiSV approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten; welche weiteren Pflichten Betreiber solcher Geräte haben, erklärt kosmetikstudios-liste.de. Für Sie heißt das: Ein Studio ohne Ärztin, das Fettreduktion mit HIFU, Kavitation oder Radiofrequenz verkauft, darf das mit einem Gerät, das die Schwellen der Verordnung erreicht, nicht tun.
Eine Gebührennummer gibt es für keines der Verfahren. Eine Arztpraxis rechnet sie analog nach der Gebührenordnung für Ärzte ab, ein Kosmetikstudio setzt seinen Preis frei, und ohne medizinische Indikation fallen 19 Prozent Umsatzsteuer an. Die Krankenkasse zahlt nicht, weil keines der Verfahren zu den anerkannten Methoden des Gemeinsamen Bundesausschusses gehört.
Sind Sie schwanger, oder tragen Sie ein aktives Implantat wie einen Herzschrittmacher oder Metall im Behandlungsbereich?
Dann ist eine Behandlung nicht angezeigt. Schwangerschaft ist nach Anhang V der Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346 eine Gegenanzeige für alle Geräte zur Fettreduktion, Metall und aktive Implantate sind es für Geräte mit Hochfrequenz.
Haben Sie Schmerzen, Druckempfindlichkeit oder eine symmetrische Fettvermehrung an Beinen oder Armen?
Lassen Sie zuerst ärztlich klären, ob ein Lipödem vorliegt. Die S2k-Leitlinie empfiehlt dafür die Liposuktion und erwähnt Ultraschall und Radiofrequenz nicht.
Liegt Ihr Body-Mass-Index unter 30 kg/m², und ist das Fettpolster am Bauch mindestens 2,5 Zentimeter dick?
Für diese Ausgangslage gibt es die beste Studie: Fokussierter Ultraschall senkte den Taillenumfang nach 12 Wochen um 2,44 Zentimeter. Behandeln darf eine approbierte Ärztin oder ein approbierter Arzt.
Für diese Ausgangslage fehlen belastbare Studien. Bei deutlichem Übergewicht hilft eine Behandlung des Gewichts, und bei sehr dünner Fettschicht sprachen Teilnehmende einer Radiofrequenzstudie gar nicht an.
- Fragen Sie, welches Verfahren angewendet wird: fokussierter Ultraschall, unfokussierte Kavitation oder Radiofrequenz. Die Belege unterscheiden sich stark.
- Lassen Sie sich Name und Approbation der behandelnden Ärztin nennen.
- Nennen Sie Implantate, Metall im Körper, Schwangerschaft, Blutverdünner, Diabetes und Hauterkrankungen im Behandlungsbereich; das sind Gegenanzeigen nach Anhang V der Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346.
- Lassen Sie Umfang und Fettdicke vor der ersten Sitzung messen, am besten mit Ultraschall, damit sich das Ergebnis später prüfen lässt.
- Verlangen Sie den Informationsanhang des Geräteherstellers und ein Angebot mit Zahl der Sitzungen, Arealen und Gesamtpreis in Textform.
- Beurteilen Sie das Ergebnis frühestens 12 Wochen nach der letzten Sitzung, bevor Sie weitere Behandlungen buchen.
Was Ultraschall und Radiofrequenz beim Lipödem bewirken
Beim Lipödem sind Ultraschall- und Radiofrequenzbehandlungen zur Fettreduktion nicht belegt. Die S2k-Leitlinie Lipödem (AWMF-Registernummer 037-012, Version 5.0 vom 22. Januar 2024) erwähnt HIFU, Kavitation und Radiofrequenz nicht; als Methode der Wahl zur nachhaltigen Reduktion des Fettgewebes empfiehlt sie die Liposuktion. Unter den nichtoperativen Ansätzen nennt sie nur eine Stoßwellenstudie mit 26 Patientinnen ohne dargestellte Signifikanz.
Eine spanische Pilotstudie (Úbeda-D'Ocasar und Kollegen, Journal of Bodywork and Movement Therapies 2026) behandelte 18 Frauen mit Lipödem zehnmal an der Knieinnenseite mit Diathermie, also Tiefenwärme durch Hochfrequenz, oder mit einer Scheinbehandlung. Der Umfang am linken Knie sank in der behandelten Gruppe stärker, die Fettschicht im Ultraschall und die Schmerzen änderten sich aber in keiner Gruppe messbar. Für eine Empfehlung reicht eine solche Pilotstudie nicht.
Häufige Fragen
Hilft Ultraschall-Kavitation gegen Bauchfett?
Für Ultraschall-Kavitation gegen Bauchfett fehlt eine Studie mit Scheinbehandlung. In einer polnischen Vergleichsstudie von 2022 senkten zehn Ultraschallbehandlungen den Taillenumfang nicht, Radiofrequenz dagegen schon. In einer ägyptischen Studie von 2016 mit Diät sank der Taillenumfang mit Kavitation stärker als mit Diät allein, beim Gewicht gab es keinen Unterschied.
Was ist der Unterschied zwischen HIFU und Kavitation?
HIFU, der hochintensive fokussierte Ultraschall, bündelt die Schallwellen in einem Punkt der Fettschicht, erhitzt ihn und lässt die Fettzellen dort absterben. Kavitation arbeitet mit unfokussiertem Ultraschall, der die Energie breit verteilt; im Tierversuch trat Fett aus den Zellen aus, ohne dass sie abstarben. Für HIFU gibt es eine Studie mit Scheinbehandlung und 2,44 Zentimetern weniger Taillenumfang, für Kavitation keine.
Wie viele Radiofrequenz-Sitzungen braucht eine Fettreduktion?
Für die Fettreduktion mit Radiofrequenz gibt es keinen festen Behandlungsplan. Die Studie von Fajkošová und Kollegen arbeitete mit vier Sitzungen im Wochenabstand, eine polnische Vergleichsstudie mit zehn Behandlungen, dreimal pro Woche. Eine Metaanalyse aus zwölf Studien fand sehr unterschiedliche Protokolle bei überwiegend geringer Studienqualität, sodass sich keine Sitzungszahl als belegt ableiten lässt.
Wer darf keine Behandlung mit Ultraschall oder Radiofrequenz gegen Fettpolster bekommen?
Keine Behandlung mit Geräten zur Fettreduktion sollen nach Anhang V der Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346 unter anderem Schwangere, Minderjährige, Menschen mit Blutverdünnern, unkontrolliertem Bluthochdruck, Diabetes, Krebs oder Krampfadern im Behandlungsbereich und Menschen mit einem Body-Mass-Index über 40 bekommen. Bei Radiofrequenz kommen Metall im Körper und aktive Implantate wie ein Herzschrittmacher hinzu.
Helfen Ultraschall oder Radiofrequenz beim Lipödem?
Ultraschall und Radiofrequenz zur Fettreduktion sind beim Lipödem nicht belegt. Die S2k-Leitlinie Lipödem (AWMF 037-012, Version 5.0 vom 22. Januar 2024) erwähnt diese Verfahren nicht und empfiehlt die Liposuktion. Eine spanische Pilotstudie von 2026 mit 18 Frauen fand nach Hochfrequenz-Wärme einen geringeren Knieumfang, aber keine Veränderung der Fettschicht im Ultraschall und keine Schmerzlinderung.
Verändert eine HIFU-Behandlung Blutfett- oder Leberwerte?
Nein, eine HIFU-Behandlung am Bauch veränderte in der Studie von Jewell und Kollegen über 24 Wochen weder Blutfette noch Entzündungs-, Leber- oder Nierenwerte in bedeutsamem Maß. Die unerwünschten Wirkungen waren leichte bis mäßige Beschwerden, Blutergüsse und Schwellungen, alle vorübergehend, ohne Narben oder Verbrennungen.